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Anflug auf die 36 in Calvi (LFKC)

2016 waren wir terminlich etwas eingeschränkt, so dass die ursprünglich avisierte Griechenland-Tour verschoben wurde. Stattdessen entschlossen wir uns kurzfristig zu einem Trip auf die französische Mittelmeerinsel.

Korsika war in den 70-er Jahren DAS Urlaubsziel gewesen, unzählige Autos fuhren in dieser Zeit mit einem Aufkleber von Corsica-Ferries durch die Lande. Selbst hatte ich damals den Sprung auf diese Insel nicht geschafft, Heiner war aber im Frühjahr zu einem Kurztrip dort gewesen, hatte bereits einige Flugplätze erkundet und war nun voller Tatendrang. Dass man in Frankreich entspannt fliegen kann, wussten wir ja bereits. Nach Korsika sollte es aber auf dem „direkten Weg“ gehen – und der führt von uns aus nun mal über Italien. Dieses Land hatten wir bei unseren Trips bisher bewusst gemieden: Zum einen, weil Italien vor nicht allzu langer Zeit die GA mit einer Art Luxussteuer belegt hatte, zum anderen, weil der Luftraum in Italien relativ unübersichtlich ist, die Lotsen dort einen ganz eigenen „Akzent“ haben und wir gehört hatten, dass dort Privatflugzeuge häufig in 1000 ft oder gar darunter über die Landschaft fliegen mussten. Die informative Seite „Fliegen in Italien“ von Philipp Tiemann nahm uns jedoch unsere Sorgen und so nahmen wir am Mittwoch, den 07. September die Herausforderung an und starteten gegen 14:30 Ortszeit in Aalen-Elchingen.

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Anflug auf den Brenner

Es war etwas später geworden, weil wir auf das bessere Wetter hatten warten müssen. Unser erstes Leg, das uns ursprünglich nach Lucca hätte führen sollen, hatten wir deswegen auch auf Trento eingekürzt. Über Mindelheim und Innbruck flogen wir am Brenner in den italienischen Luftraum ein, wo wir Padova INFO rufen sollten. Dies gelang aufgrund der Topographie erst nach einigen Minuten wirklich befriedigend. Der Lotse beließ uns in unserer komfortablen Höhe und der Anflug auf die 36 in Trento nach zwei Stunden Flugzeit war nach einer Kehrtkurve im Etschtal problemlos. Das Schwierigste war, die von der Dame am Funk zugewiesene Parkposition korrekt anzusteuern. Sie hatte aber viel Geduld mit uns und nach dem zweiten Anlauf standen wir exakt wie von ihr gewünscht direkt vor dem Tower des Aeroproto Giovanni Caproni.

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Endlich in der richtigen Parkposition!

Aufgrund des fortgeschrittenen Tages waren wir froh, im direkt im Flughafengebäude gelegenen Hotel eine bequeme Übernachtungsmöglichkeit gefunden zu haben. Trotzdem wollten wir natürlich auch noch etwas von der Stadt sehen und machten uns zu Fuß auf den Weg zur Bushaltestelle, die ganz in der Nähe des Flugplatzes sein sollte. Unsere diesbezüglichen navigatorischen Versuche waren allerdings nicht von Erfolg gekrönt, erst nach einem knapp einstündigen Fußmarsch erreichten wir eine bereits am Stadtrand gelegene Haltestelle, die auch bald von einem Bus angefahren wurde. Ein Ticketautomat war an dieser Haltestelle nicht zu finden, im Bus konnte man keine Tickets kaufen und das mehrfach angebotene Bargeld lehnte der Busfahrer vehement ab. Wir durften einfach so mitfahren!

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Trentos bunte Fassaden

Nach einem ausgedehnten Bummel durch die sehenswerte Altstadt mit teils großflächigen Fassadenmalereien fanden wir in einer schmalen Gasse ein hervorragendes Restaurant und genossen unter freiem, südlichem Himmel ein ausgezeichnetes Abendessen. Für die Heimfahrt bestellte uns der Wirt ein Taxi in diese enge Gasse direkt an unseren Tisch.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, da für den Nachmittag einige Gewitter vorhergesagt waren. Nach dem Start gegen 10 Uhr Ortszeit nahm uns wieder Padova INFO in Empfang. Unsere beantragte Flughöhe FL85 erhielten wir problemlos und so flogen wir in großer Höhe bei gutem Wetter unserem Ziel entgegen. Lediglich die Po-Ebene hielt, was ihr Ruf verspricht und brachte uns bis in große Höhen eine recht bescheidene dunstige Sicht. Über Bologna, Firenze und Roma wurden wir im Funk weitergereicht und so langsam hörten wir uns in den speziellen Tonfall der Lotsen ein, wobei das eigentlich Schwierige im Funk die große Mitteilungsbereitschaft der Controller ist. Kurze, knappe Verfahrenssprechgruppen scheinen sie nicht zu kennen, jede Anweisung und jeder Hinweis wird wortreich ausgeführt, so dass man Mühe hat, die wirklich relevanten Informationen herauszuhören. Weil sie aber so gerne reden, macht es ihnen überhaupt nichts aus, manche Dinge zweimal oder auch dreimal zu sagen. Über Radar scheinen sie aber nicht zu verfügen und man tut bereits bei der Flugplanung gut daran, die Flugzeiten von einem Navigationspunkt zum nächsten herauszuschreiben. Am besten ist es dann, bei jedem Funkkontakt gleich diese „Estimates“ zum nächsten Waypoint mit anzugeben – sonst wird man mit fast 100-prozentiger Sicherheit danach gefragt.

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Über Elba

Als hydrophobe Zeitgenossen hatten wird die Route nach Korsika über Elba geplant. Über den kleinen Landvorsprung bei Piombino verließen wir das italienische Festland und flogen über Elba westwärts der Nordküste Korsikas zu. Roma verabschiedete uns nach Bastia. Der dortige Controller ließ uns freie Hand, so dass wir wie vorgesehen der Nordküste entlang nach Calvi fliegen konnten. Am Flughafen war zwar um die Mittagszeit überhaupt nichts los, man ließ uns trotzdem die veröffentlichten Anflugstrecken abfliegen. Für den Anflug auf die 36 folgten wir dem Figarella-Tal auf der Westseite der Piste ein paar Kilometer nach Süden, um dann nach einer Kehrkurve ins turbulente Endteil zu gehen. Nach gut 2 Stunden Flugzeit setzte die EPUZ etwas widerwillig im böigen Wind ihre Räder auf korsischen Boden.

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Über der Bucht von Calvi, in der oberen Bildmitte der Flughafen

Am Abstellplatz wurden wir bereits erwartet, eingewiesen und frau wartete geduldig, bis wir die DA40 entladen und verzurrt hatten, um uns die paar Meter zum GA-Gebäude zu fahren. Die Hotelwahl überließen wir dem Taxifahrer, der uns ins Hotel Regina brachte. Dies war für unsere Zwecke hervorragend zentral gelegen, so dass wir unserer weiteren Erkundigungen zu Fuß erledigen konnten. Nach dem Einchecken machten wir uns auf den Weg zu der imposanten Zitadelle, die auf einem hohen Felsen über der Stadt und dem Meer thront. Von dort hat man einen hervorragenden Überblick über die Stadt und den Hafen, der von einigen wirklich mondänen Yachten angesteuert worden war. Sogar bis hinaus auf den Flughafen reichte der Blick! Für das Abendessen hatten wir eine etwas abseits der großen Touristenströme gelegene, ruhige Gaststätte entdeckt, wo wir wieder unter freiem Himmel bei gutem Essen und kühlem korsischen Bier den Tag ausklingen ließen.

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Calvis Hafen mit mondänen Jachten

Wie immer stand beim Abendessen die weitere Flugplanung auf dem Programm und wir entschieden uns, an der Westküste Korsikas entlang bis in den Süden nach Figari zu fliegen. Aufgrund der doch noch recht hohen Urlauberzahlen schien es uns ratsam, eine Unterkunft im Süden bereits im Voraus zu buchen. In der Tat waren alle Hotels in der von Figari und Bonifacio ausgebucht, so dass wir auf eine Ferienwohnung weiter nördlich bei Porto Vecchio ausweichen mussten. Das war aber nicht weiter schlimm, da der nächstfolgende Tag flugfrei werden sollte und wir mit einem Mietwagen ohnehin ein wenig Land und Leute erkunden wollten. Da aus den Unterlagen von Figari nicht zweifelsfrei hervorging, ob wir dort würden tanken können, rief Heiner am Flughafen an und fragte nach. „Alles kein Problem, wir könnten gerne kommen und auch tanken“ ließ man uns wissen.

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Abflug in Calvi über den Hafen und die Zitadelle

Am nächsten Tag, es war inzwischen Freitag geworden, ließen wir uns am späten Vormittag wieder zum Flughafen bringen, passierten dort die Sicherheitsschleusen, beluden die EPUZ und starteten gegen 12 Uhr Richtung Figari. Der Ausflug aus dem Flughafenbereich geschah wieder peinlich genau auf den veröffentlichten Strecken. Dann nahm uns Ajaccio an die Funk-Leine und ließ uns 1200 ft die gesamte Westküste nach unserem Gusto abfliegen. Der Anflug auf Figari erfolgte von Westen entlang der veröffentlichten VFR-Anflugstrecke. Wir bekamen die 23 zugewiesen, weil aber zuerst noch ein Verkehrsflieger auf der 05 landen durfte, sollten wir einen recht langen Gegenanflug fliegen. Als der große Bruder seine Räder am Boden hatte, drehten wir in unser inzwischen doch recht lang gewordenes Endteil.

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Unsere mit Steinen beschwerte EPUZ

Die Abstellfläche für die GA ist eine Schotterfläche im Nordosten des Platzes. Da sich unsere Erdanker nicht in den harten Boden eindrehen ließen, schleppten wir große Steine herbei und verknoteten die EPUZ an diesen. Zu Fuß schlenderten wir zum GA-Gebäude, wo eine junge Dame unsere Daten in einem PC eingab. Mehrfach fragte sie uns nach unserem PPR-Request. Wir sagten ihr, dass wir am Vorabend telefonisch nach einer Betankungsmöglichkeit nachgefragt hätten und man uns erklärt hätte, dass alles in Ordnung sei und wir gerne kommen könnten. Einen Vermerk hierüber konnte sie jedoch nicht finden, deshalb bat sie uns, vor dem nächsten Anflug einen schriftlichen Request zu senden, da die Parkmöglichkeiten für Kleinflugzeuge sehr rar seien und wir das Risiko eingegangen waren, nach dem Tanken wieder weggeschickt zu werden. Da wir aber einen Abstellplatz gefunden hätten, sei nun alles in Ordnung.

Uns war’s sowieso recht, bald darauf schleppten wir uns und unser Gepäck weiter Richtung Autovermietung. Die langen Schlangen, die dort vor den Baracken bis heraus auf die Straße standen, verkündeten nichts Gutes! Heiner reihte sich geduldig in die vermeintlich kürzeste Schlange ein, um nach langem geduldigen Warten zu erfahren, dass alle Fahrzeuge bereits ausgebucht seien – aber vielleicht hätte der Kollege ja noch was für uns. Also dasselbe Spiel nochmals beim Kollegen wiederholt und der hatte dann tatsächlich noch ein Fahrzeug für uns. Zwar nicht, wie von uns gewünscht einen günstigen Kleinwagen, sondern einen geräumigen Familienvan, den konnten wir aber etwas billiger bekommen. Weitere Möglichkeiten sahen wir ohnehin nicht, also schlugen wir ein, verluden unser Gepäck und fuhren angenehm klimatisiert Richtung Norden unserer Ferienwohnung in der Résidence Luna bei San Ciprianu entgegen.

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Porto Vecchio: Blick von der Altstadt auf den Hafen

Am Abend stand Porto Vecchio auf dem Programm. Wir ließen uns durch die Altstadt treiben, um anschließend noch ein vorzügliches korsisches Menü in einer der zahlreichen Restaurationen einzunehmen. Am Samstag sollte flugfrei sein, wir wollten die Umgebung etwas mit dem Auto erkunden. Heiner zog es in die Berge, also fuhren wir in vielen Serpentinen hinauf nach Zonza, um dann ebenso kurvig Richtung Nordosten wieder an die Küste nach Sari-Solenzara zu gelangen.

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Im Landesinneren ist Korsika recht gebirgig.

Von dort aus ging’s dann an der Küste entlang zu Korsikas südlichstem Zipfel Bonifacio. Die Altstadt liegt hoch über dem Meer auf einer Landzunge, welche einen natürlichen Schutzwall für den Jachthafen mit seinen schmucken und teuren Booten und Schiffen bietet. Oben in der Stadt findet man von hervorragend restaurierten Prachtbauten über verfallende Häuser bis hin zu Ruinen eine enorme Bandbreite an Bausubstanz.

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Bonifacios Altstadt trohnt auf mächtigen Mauern

Hier wurde uns wieder deutlich, dass die Saison in Korsika keinesfalls schon vorbei war: Beachtliche Menschenmassen schieben sich durch die engen Gassen und dinieren in den vielen Freiluftrestaurants. Am Abend fuhren wir wieder zurück und hatten das Glück, unterwegs in einer rustikalen Pizzeria vorzüglich speisen zu können.

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Abendstimmung im hafen von Bonifacio

Vor der Rückgabe sollte unser Mietwagen wieder betankt werden, allerdings fanden wir auf dem Weg Richtung Flughafen keine Tankstelle und unsere Hoffnung, direkt am Platz tanken zu können, wurde auch enttäuscht. So fuhren wir den Anweisungen des Navigationsgerätes hinterher, um dann endlich irgendwo in der weiteren Umgebung eine Tankstelle zu finden, vor der sich aber schon eine lange Schlange gebildet hatte. Da es Sonntag war, musste man am Tankautomat bezahlen und es dauerte eine geraume Weile, bis wir mit dem Automat handelseinig wurden. Unser Flugplan lief bereits, deshalb beeilten wir uns, an den Flughafen zurückzukommen und den Mietwagen abgeben zu können.

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Der Flughafen von Figari

Die EPUZ hatte brav auf uns gewartet. Wir befreiten sie von ihrem Steinballast und füllten ihre Tanks. Nach dem Start auf der 23 mussten wir in Flugplatznähe noch auf 2000 ft bleiben und konnten dann für unseren Rückflug entlang der Ostküste auf 7000 ft steigen.

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Ostküste Korsikas. Im Landesinneren haben sich schon mächtige Cumuli gebildet.

Wir folgten dem Verlauf der Ostküste bis über Bastia hinaus, um dann wieder ostwärts über Elba hinweg das italienische Festland zu erreichen. Dort nahm uns Firenze INFO in Empfang und ließ uns in unserer komfortablen Höhe unbehelligt bis zu unserem Ziel Lucca weiterfliegen. In Lucca war nur spärlicher Absetzbetrieb, das Spannendste war der Anflug auf die 28, da das kurze Endteil durch eine schmale Schneise inmitten hoher Bäume führt.

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Durch die Waldschneise auf die 28 in Lucca

Aber auch diese Herausforderung meisterten wir und landeten nach zwei Stunden Flugzeit an dem Ort, den wir eigentlich schon am Hinflug hatten anfliegen wollen. Beim Verzurren auf dem Vorfeld kamen wir mit einem österreichischen Paar ins Gespräch, das kurz vor uns mit einer Aquila angekommen war. Wir teilten uns das Taxi in die Stadt und verabredeten uns zum gemeinsamen Abendessen an der Plaza. Lucca ist eine typische Stadt der Toscana mit pulsierendem Leben, das auch hier noch von vielen Touristen durchsetzt war. Interessant ist die Piazza dell’anfiteatro. Die Piazza ist der Innenraum eines früheren römischen Amphitheaters. Die Mauern werden jetzt für Geschäfte genutzt, an der Außenseite sind noch Originalteile des Amphitheaters zu erkennen.

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Die Piazza dell’anfiteatro in Lucca

Aufgrund terminlicher Verpflichtungen stand am folgenden Tag schon der Heimflug an. Der geplante Kurs genau nach Norden führte genau entlang der Strecke, die wir schon beim Herflug beflogen hatten. Allerdings bauten sich nördlich der Stadt über dem Apennin bereits am frühen Vormittag mächtige Cumuli auf, so dass wir uns beeilten in die Luft zu kommen. Bologna INFO genehmigte uns die erbetene FL85 und Verona ließ uns kurz darauf auf FL105 steigen. Das reichte aus, um über die Wolken zu kommen bzw. die höchsten Wolkentürme umfliegen zu können.

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Die Po-Ebene war auch beim Rückflug dunstig

Auch die Alpen hatten sich gut entwickelt, allerdings blieb zwischen den teilweise mächtigen Wolkentürmen genug Platz, um unserem Kurs über Trento, Bolzano und Innsbruck problemlos folgen zu können.

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Mächtige Quellungen bei Kastelruth

In Innsbruck war es im Funk ungewöhnlich still und der Controller plauderte zunächst ausgiebig mit einer österreichischen Maschine, um hernach auch mit uns ausgiebig zu schwatzen, ihm war offensichtlich langweilig. Österreich war schnell überflogen und wir begannen früh mit dem allmählichen Sinkflug auf Aalen-Elchingen.

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Innsbruck

Mit gut 10 Stunden Flugzeit war dieser Trip etwas kleiner ausgefallen. Aber immerhin hatten wir die kurze zur Verfügung stehende Zeitspanne zu einem interessanten Flug auf die französische Mittelmeerinsel und in die südliche Sonne nutzen können, bevor uns in der Heimat die triste Jahreszeit wieder in Empfang nahm. Gelernt haben wir, dass man auch in Italien problemlos fliegen kann, wenn man sich auf einige kleine Besonderheiten einstellt.

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