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Im Anflug auf die 22 in Brac (LDSB)

Wir wussten lange Zeit nicht so recht, wohin es dieses Jahr gehen sollte. Eigentlich war wieder der Balkan dran, aber für eine ausgedehnte Reise mangelte es uns wieder einmal am dafür nötigen Zeitfenster. Zu allem Überfluss stellte sich kurz vor dem avisierten Abflugtermin schlechtes Wetter ein, so dass wir schon fürchteten, dieses Jahr auf unseren Trip verzichten zu müssen. Sonntag und Montag, 8. und 9. September waren dann auch nicht fliegbar, aber für Dienstag sahen wir eine Chance, über die Alpen nach Norditalien zu kommen. Von dort wollten wir dann, je nach Wettersituation, entweder nach Westen Richtung Frankreich oder eben doch nach Osten auf den Balkan weiterfliegen.

Als erste Station war Cizzago ausgemacht, da dort eine interessante PA-18 zum Kauf angeboten war. Das FLugzeug hatten wir bereits im AUgust bsichtigt und nun wollte ich in die näheren Verhandlungen eintreten. Der Flugplan nach Cizzago, einem kleinen privaten Airfield lief schon, als uns der Eigner benachrichtigte und uns bat, doch lieber nach Verona zu kommen. Verona Boscomantico liegt zwar nur einen Katzensprung von Cizzago entfernt, so dass wir es bei der navigatorischen Vorbereitung belassen konnten, jedoch musste der bestehende Flugplan aufgehoben und ein neuer nach Bosco erstellt werden, was uns eine weitere Wartezeit von rund 45 Minuten einbrachte. Die Cumuli über den Alpen blieben jedoch flach, so dass wir in FL 120 wieder einmal einen entspannten Flug on top über die herrliche Bergwelt genießen konnten.

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Bei guten Sichten über die Alpen

Wir flogen auf der direkten Route, überquerten bei Pfronten/Reutte die Grenze zu Österreich, blieben westlich des Innsbrucker Luftraums und erreichten über NATAG den italienischen Luftraum. Padua INFO ist dort unerreichbar, so dass wir unseren Flig ungestört fortsetzen konnten. Erst über dem Gardasee war der Lotse erreichbar, er reichte uns aber gleich weiter nach Verona. Dort war unter der Woche nichts los, so dass wir einen langen Anflug auf die 08 machen konnten.

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Anflug Verona Bosconantico

In Boscomantico kannten wir uns von einem früheren Besuch noch gut aus, so dass auch die etwas befremdliche Rollstrecke zum Abstellplatz keine besondere Herausforderung darstellte. Im Restaurant am Flugplatz genossen wir eine Pizza, danach brachte uns Gianluca von der dortigen Werft in ein nahegelegenes Hotel. Den Transfer und das Hotel hatte unser potentieller Verkäufer freundlicher Weise für uns organisiert.

Am nächsten Morgen holte er uns dort höchstpersönlich ab und brauchte uns wieder zum Flugplatz. Die Verkaufsgespräche veliefen leider nicht zielführend da r sich nicht mehr an Zusagen erinnern wollte, die er uns drei Wochen zuvor beim ersten Besuch gegeben hatte. Da der Flugplan schon lief, brach ich die Verkaufsgespräche nach kurzem Hin und Her ab. Heiner hatte bereits das Gepäck zur EPUZ gebracht und den Flieger gechecked, so dass wir bald darauf in der Luft waren und in 1500 ft richtung Venedig flogen. Padua INFO sprach ununterbrochen, ließ uns aber in Ruhe, nachdem wir ihm versprochen hatten, stur in 1500 ft zu bleiben und den Luftraum von Venedig-Tessera südlich zum umfliegen. Bei Chioggia erreichten wir die Lagune und folgten die nächsten 70 Meilen dem Lido.

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Am Porto Malamocco

Porto Malamocco ist ein eindrucksvoller und markanter Meldepunkt entlang der Lido-Route. Kurz darauf hatten wir bereits die berühmte Stadt in der Lagune links von uns in Sicht.

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Venedig

Venedig selbst war ja 2017 ein Zwischenstop auf unserer damaligen Route gewesen. Diesmal flogen wir jedoch weiter an den Hotelburgen und militärisch exakt aufgereihten Strandliegen entlang Richtung Triest. Dort wird die Luftraumsituation wohl etwas enger und dichter, wir konnten aber problemlos unserer Route folgen und östlich von Triest über RIFEN in den slowenischen Luftraum einfliegen. Dort steigt dann gleich das Gelände an und hüllte sich außerdem in Wolken, so dass wir etwas südlich auswichen. Da passte es ganz gut, dass uns Ljubljana APP den Anflug nach S1 anwies, da uns dies die Berge vermeiden half. Kurze Zeit später wurde diese Anweisung jdoch zurückgenommen: Aufgrund von IFR-Verkehr sollten wir über W1 einfliegen, was uns nun mitten durch die Berge und in die schlechten Sichten schickte.

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Anflug durch die Berge auf Ljubljana

Glücklicher Weise fand sich immer eine Handbreit passable Sicht zwischen den Bergrücken und den Wolken, so dass wir auch diese Herausforderung meistern konnte. Von W1 aus konnten wir dann einen sehr langen Anflug direkt auf die 12 fliegen.

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Auf dem Vorfeld in Ljbljana

Auf dem Vorfeld machten wir in illustrer Gesellschaft Werbung für die Kreissparkasse Ostalb. Deutlich erkennbar ist das immer noch schlechte Wetter entlang unserer Anflugroute.

Für drei Euro pro Person brachte uns der Bus vom Flughafen direkt in die Stadt und der Busfahrer wies uns sogar noch den Weg zu unserer Ferienwohnung mitten in der Altstadt. Dort ließen wir uns von den Touristenströmen ins Zentrum treiben und hatten auch bald unser Domizil gefunden. Wir machten uns aber gleich wieder auf den Weg, schlenderten über die Burg hinweg an den Fluss Ljubljanica und genehmigten uns dort zuerst eine entspannte Bootsfahrt.

 

drei bruecken

"Drei Brücken" in Ljubljana

Danach ließen wir uns durch die engen Gassen der Altstadt treiben, genossen bei angenehmen Temperaturen das südliche Flair und kehrten erst spät am Abend in eines der zahllosen guten Restaurants ein. Wie immer drehte sich das Gespräch beim Abendessen um unsere weitere Route. Da das Wetter hier im Norden auch die nächsten Tage noch recht niedrige Bewölkung im Angebot hatte, beschlossen wir einmütig, unser Glück im Süden zu versuchen und die kroatische Adriaküste entlang zu fliegen. Diese ist uns zwischenzeitlich mit den meisten der dortigen Flughäfen sehr vertraut, ldiglich in Split waren wir noch nie. Allerdings warnten die Pireps vor einem verkehrsreichen und teuren Flugplatz, so dass wir uns für die Alternative Brac entschieden. Der Flughafen von Brac LDSB liegt innerhalb des Luftraums von Split auf einer vorgelagerten Insel. Wir planten unsere Route südlich über ALIVO und östlich an Rijeka vorbei auf die ADRIA-Route.

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Seifenblasenkünstler in Ljubljana

Am nächsten Morgen ließen wir uns durch die quirlige Altstadt wieder zum (Bus-)Bahnhof treiben und fuhren mit dem Transferbus zurück zum Flughafen. Dort starteten wir auf der 30, verließen die Kontrollzone über W2 und umflogen diese westlich zurück auf Südkurs.

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Start in Ljubljana

Während am Flughafen von Ljubljana noch gutes Wetter geherrscht hatte, bekamen wir es auf unserem weiteren Weg durch die Berge wieder mit den Wolken zu tun.

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Abflug Ljubljana

Doch auch diesmal fand sich immer wieder ein Schlupfloch und als wir das Mittelmeer südlich von Rijeka erreichten, hatte die Sucherei ein Ende.

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Adriaküste

Leider mussten wir bald unsere schöne Höhe von 5000 ft aufgeben und in 1500 ft weiterfliegen. Nicht immer hätte diese Höhe zum nächsten Festlandszipfel greicht, aber der Diese schnurrte unbeeindruckt sonor und Vertrauen erweckend vor sich hin. Schließlich gelangten wir in den Luftraum von Split und der Controller hielt uns weiter unten in 1500 ft. Das konnte natürlich nicht mehr lange so bleiben, liegt doch der Flughafen von Brac auf 1781 ft. Es kommt sicher nicht oft vor, dass man die fogende Freigabe erhält: "You are cleared to climb for Landing in Brac." Also kletterten wir auf 3000 ft und schauten uns den Platz mal näher an. In Brac ist so gut wie nichts los und zu unserer Anflugzeit war Totenstille im Funk. Da uns auch Split keinen Vorschlag für eine Landerichtung gemacht hatte, flogen wir erst mal im Gegenanflug zur 22 am Platz entlang in der Hoffnung, einen Windsack zu erspähen. Als dies nicht gelang, rechneten wir mit Seewind und beschlossen eine Landung auf der 22. Spätestens beim Ausschweben wurde uns klar, dass die andere Richtung die Bessere gewesen wäre, aber bei 1800 m Bahn spielt ein wenig Rückenwind keine große Rolle. Auf dem Vorfeld kümmerten sich viele helfende Hände um uns und um unseren Flieger, außerdem besorgte man uns ein Taxi und hatte noch einen Hotelvorschlag für uns. Der Taxifahrer fand den Vorschlag auch gut und brachte uns die steile Küstenstraße hinunter in den Ort Bol und zum Hotel. Geschäftstüchtig bot er an, uns am nächsten Tag wieder zum Flugplatz zu fahren, zahlen sollten wir dann beide Fahrten erst morgen. Uns war's recht und wir verabredeten mit ihm den Zeitpunkt für die Rückfahrt.

Nach dem Bezug unserer Zimmer schlenderten wir die Uferpromenade entlang bis zum Hafen und fanden dort ein gutes Restaurant direkt am Meer.

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Abendstimmung in Bol

Gesprächsthema beim Abendessen mit einer wunderbaren Fischplatte war gewohnheitsmäßig die weitere Gestaltung unseres Trips. Da wir nicht mehr viel Zeit zur Verfügung hatten, beschlossen wir, wieder nordwärts zu fliegen. Auf unseren seitherigen Flügen hatten wir immer wieder mit Graz geliebäugelt und diesmal sollte es nun soweit sein und wir beschlossen, der Hauptstadt der Steiermark und Kulturhauptstadt Europas 2003 einen Besuch abzustatten.

karst

Flug über den jugoslawischen Karst

Die Route planten wir direkt bis zum Grenzüberflugpunkt RADLY und flogen anfangs relativ unbehelligt in FL 100 über den jugoslavischen Karst. Kurz vor dem Grenzüberflug begannen wir den Sinkflug und flogen über den SENDER DOBL und die AUTOBAHN WEST in den rechten Gegenanflug für die 17. Auf dem Flughafen war wenig Betrieb, in das umso quirligere Graz fuhren wir für wenig Geld mit dem Zug. Mit der Staraßenbahn und mit dem Bus gings weiter in unsere Ferienwohnung und auf dem Weg dorthin erfuhren wir auch den Grund des Trubels: Die ganze Stadt bereitete sich auf den "Steirischen Herbst", ein alljährliches Kulturfestival vor, das wenige Tage später beginnen sollte. Wir ließen uns am späten Nachmittag noch etwas durch die Stadt treiben, besuchten natürlich den Schlossberg mit seinem berühmten Wahrzeichen und beschlossen beim Essen, dass uns unser nächster Trip quer durch Österreich nach Salzburg führen sollte.

uhrturm

Uhrturm in Graz

Das Wetter bei unserem Abflug aus Graz war wieder einmal etwas grenzwertig und wir hatten anfangs Mühe, unseren Weg durch die Täler und unterhalb der Wolken zu finden. Wir flogen deshalb dem Murtal entlang zunächst nach Norden, um ihm ab Kapfenberg weiter auf seinem westlichen Verlauf zu folgen. Hier wurde  das Wetter immer besser, so dass wir unseren direkten Kurs nach Salzburg aufnehmen konnten. Dieser Kurs führte uns über Timmersdorf, wo wir 2012 beim Segelfliegen waren und Niederöblarn, das wir zwei Jahre zuvor als Etappenziel hatten, nach Salzburg. Dort war am Flugplatz eine ganze Menge los, der Controller sprach pausenlos und bescherte uns einige Warterunden über GLASENBACH, bis wir unseren Anflug auf die 33 fortsetzen konnten. Bereits beim Ausrollen sahen wir rechter Hand den berühmten Hangar 7.

landung salzburg

Landung in Salzburg mit den Hangarn 7 und 8

Nach dem Bezug unseres Hotels stand dieser Hangar zuerst auf unserem Besichtigungsprogramm, danach fuhren wir weiter in die Stadt und ließen uns dort mit den Menschenmassen durch die Gassen treiben. Die abendliche Planung unseres nächsten und letzten Trips war recht einfach, da es nach Hause gehen sollte.

salzburg

Salzburg mit der Festung Hohensalzburg

Wir starteten auf der 15 und flogen auf direktem Weg über den Chiemsee und südlich um München herum wieder nach Hause.

chiemsee

Nordende des Chiemsees

anflug edpa

Wieder zuhause

Landegebühren, ggf. Handling, eine Nacht abstellen: 

  • Verona: 35,00 €
  • Ljubljana: 43,30 €
  • Brac: 73,11 €
  • Graz: 39,91 €
  • Salzburg: 61,26 €
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